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Schlagwort: Rebholz

Biokohle – Terra Preta – Schwarze Erde

Biokohle – Terra Preta – Schwarze Erde

TERRA PRETA – Schwarze Erde

nennt man die künstlich bzw. natürlich erzeugte Schwarzerde im brasilianischen Regenwald. Die Ureinwohner am Amazonas hatten in traditionellen Kohlemeilern Holz sowie pflanzliche und tierische Abfälle zu Holzkohle g e s c h w e l l t.  Ein heisses Feuer für die Keramikherstellung und gleichzeitig eine dauerhafte Fruchtbarmachung der nährstoffarmen Böden.  So entstand im Laufe von tausenden von Jahren eine fruchtbare Humusschicht am Zusammenfluss von Amazonas, Rio Negro und Madeira. Dort findet man seit 1960 Überreste vorkolumbianischer Zivilisation. Dies erklärt auch warum sich die Städte überhaupt ernähren konnten.

Terra Preta ist eine der Visionen dafür, dass diese altertümliche Methode einen wesentlichen Anstoss für die Lösung eines entscheidenden Themas unserer Zeit werden könnte.

Herbizide, Pflanzenschutzsmittel, Überdüngung und Erosion lassen landwirtschaftliche Böden verarmen und absterben. Gleichzeitig haben wir den Zwang zur Versorgung der Überbevölkerung auf diesem wunderschönen Planeten. Die Entwicklung intelligenter Strategien, die die Produktion der Landwirtschaft und gleichzeitig die Bedürfnisse unserer Natur vereinen ist unser gemeinsames Ziel.

Durch Pyrolyse organischer Grundmaterialien wie Holz, Stroh, Grünschnitt, Küchenabfälle   sowie Weintrester wird Biokohle gewonnen. Bei ihrer Herstellung wird Energie gewonnen und cas CO2 eingebunden werden. Nach Vorschlag von Willis Wein Idee eignet sich besonders Rebholz zur Gewinnung von Energie und / oder Biokohle. Siehe auch die Berichte über Rebholzkrankheiten und die energetische Verwertung in diesem Blog.

Biokohle oder Agrokohle

Der Begriff Biokohlebiochar-webBiokohle entstand in Abgrenzung vor allem zur Holzkohle. Das „Bio“ der Biokohle steht einfach dafür, dass nicht nur Holz, sondern allgemein organische Grundstoffe als Ausgangsmaterial dienen. Ein anderer Begriff ist Agrokohle. Im englischen gibt es Biochar und Agrichar. In allen Fällen liefert diese Kohle einen wesentlichen Beitrag zur Bodenverbesserung.

Unter Sauerstoffausschluss wird die getrocknete Biomasse bei Temperaturen bis 800 Grad erhitzt. Die langkettigen Kohlenstoffverbindungen der organischen Zellen werden unterbrochen. So entstehen Wärme, Synthesegase und Biohkohle. Diese entstpricht der Konsistenz normaler Holzkohle.  Im Grunde nach handelt es sich um eine über 5.000 Jahre alte Methode; nur dass in den Köhlermeilern ausschließlich Holz als Ausgangsprodukt verwendet wurde. Die Pyrolysegase entwichen ungenutzt in die Atmosphäre.

Floxverfahren

Heute kennt man das FloxverfahrenPyrolyseanlageIntelligente Schwelkammern verbrennen die energiereichen Synthesgase äußerst schadstoffarm. Die dabei entstehende Abwärme lässt sich zu Heizzwecken nutzen oder über Kraft-Wärme-Kopplung in Elektrizität umwandeln.  Da die Pyrolyse energieautonom ist, benötigt der Prozess keine zusätzliche Energie.

Biokohle und Klimabilanz

Grünschnitt, biologische Reststoffe und Trester werden derzeit kompostiert oder verrotten ungenutzt. Bei diesen Vorgängen vergast die Biomassse zu 99 % als Co2, Methan und Lachgas.

Bei der Pyrolyse hingegen v e r s c h w e l l t die Biomasse zu 40 % reiner Biokohle.  Bei der Verbrennung entsteht keinerlei Methan oder Lachgas  und nur geringe Mengen CO2.

Bodenverbesserung im Weinberg und in der Landwirtschaft durch Biokohle

Spezizell im Rebbau wirkt Biokohle klimapositiv. Arbeitet man die Biokohle in den Erdboden ein, entzieht man der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoff.

Einschließlich der Energiegewinnung und Einsparung fossiler Brennstoffe ist die Bilanz zu 95 % klimapositiv. Die Karbonbilanz der Pyrolyse ergibt 489 kg CO2 , die pro Tonne Grünschnitt aus dem Karbonkreislauf herausgenommen werden.

Trägt man Biokohle in landwirtschaftliche und rebenwirtschaftliche Flächen ein, lassen sich signifikante Auswirkungen auf die Bodenaktivität und damit auf die Ertragskraft erzielen. Folgende Vorteile für die Bodenkultur sind:

  • Wasserspeichervergrößerung
  • Vermehrung der Bodenbakterien, durch das geschützte Umfeld der Mikroporen in der Kohle. Damit wird die Nährstoffumsetzung für die Pflanzen gefördert.
  • Zunahme der Wurzelmykorrhizen für eine verstärkte Mineralstoffaufnahme
  • Absorption toxischer Bodenmolekühle wie NOx, Cu, wodurch die Ausspülung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser verhindert wird.
  • Verbesserte Bodendurchlüftung bzw. Reduktion der Methan- und Lachgasemissionen
  • Verstärkung der Stickstofffixierung.

Der Mengeneintrag schwankt je nach angebauter Kultur zwischen 10 und 12 to. je Hektar.

Ein Kreislauf kann geschlossen werden, wenn man den nachwachsenden Rohstoff „Rebholz“IMG_3173_KopieHäckselmaterial der Verwertung zu Energie in Hackschnitzelanlagen oder im Floxverfahren zu Energie und Biokohle umwandelt.

Die Delinat Forschung wird ab Herbst 2009 eine Pyrolyseanlage zur Herstellung von 1000 Tonnen Biokohle p.a. in Betrieb nehmen. Mit dem Produkt der Biokohle werden auf ausgesuchten Partnergütern in Frankreich, Spanien und Italien Versuche mit unterschiedlichen Bodentypen in verschiedenen Klimazonen durchgeführt.

Weitere Infos unter delinat/forschung.

In der Forschungs Domaine de Mythopiabanner3-mitteMythopia im Rhonetal bei Sion in der Schweiz,  wird auf einer Höhe bis zu 800 Metern,  auf einer Fläche von 2 ha Rebbergen und 3 ha hochstämmiger Apfelbäume,  ein Klimafarming unterhalten.

Ein absoluter Spezialist auf dem Gebiet des Klimafarming ist Hans-Peter Schmidt von der Domaine de Mythopia.

Fortsetzung dieser Thematik um das Klimafarming mit Biokohle folgt.