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Schlagwort: Bosnien

Schnapsbrennen in Bosnien I Herzegowina

Schnapsbrennen in Bosnien I Herzegowina

Beruflich habe ich das Glück nach Bosnien zu kommen. Dort leben zudem meine liebsten Freunde.

Vor 14 Jahren war das Ende des schrecklichen Krieges in Jugoslawien. Die ganze Welt und vor allem wir in Europa schauten tatenlos und ohne Kommentar zu, wie greulich das Gemetzel unter ehemals friedfertig zusammen lebenden Bevölkerungsgruppen sich ausbreitete. Es gab kein weltweites Interesse, sich einzumischen. Warum wohl auch? Das ehemalige Jugoslawien ist wunderschön, hat aber keine Rohstoffe wie fossile Brennstoffe, Uran oder sonstige wertvolle Ausbeutungsmateralien. Halt nur ein lumpiger Spielball der G 20.

Trotzdem leben im Balkan  Menschen, die das Recht haben, von  der reichen Industriegesellschaft beachtet und gefördert zu werden. Speziell in Bosnien und Herzegowina ist die Wirtschaft zusammengebrochen, der Staat in Gemeinden, Kantonen und der Förderration aufgebaut,  ist nahezu handlungsunfähig, weil pleite. Ein Land welches noch in konvertibler Mark fakturiert, hat keine Lebensadern wie Autobahnen, Landstrassen, Schienen- oder Wasserwege. Wir jammern in unserem deutschen Wohlstand über jegliche Kürzungen. Im nahen Bosnien I Herzegowina ( BiH) findet man sich zwangsläufig mit der Misere ab.

Und doch hadern die Menschen kaum merklich mit ihrem Schicksal. Vielmehr machen sie das Beste aus ihrer Situation. Im vorigen Beitrag über den vergessenen Entedank  habe ich berichtet, dass man in B i H das Obst aufliest, daraus Maische ansetzt und im Oktober und November dann Schnaps destilliert. Ich hatte heuer  wieder das Glück eingeladen zu werden, auf den Hof von Marco in Kiseljak.

Die Kelle mit dem fertig gebrannten Schnaps wird von Mund zu Mund weitergereicht. Fachmännische Kommentare fallen, bis der Schöpfer wiederholt leer probiert wurde.

Einfachstes Brenngeschirr vor dem Stall und der Scheune aufgebaut. Farbige Zwetschgen – Slivovic -Maische steht zum Brennen bereit. In der Luft würziger und nach Schaf riechender Grillduft.

Dazwischen nur Männer,

schwätzend, auf das Feuer unterm Brennkessel achtend. Gleichmäßige Glut ist notwendig um die Alkohole : Ethanol zu gewinnen und Methanol und Fusel zu seperieren bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen.

Abwechselnd wird von dem unter dem Vordach stehenden und einfachen, aber  lecker  gedeckten Tisch gegessen. Eingelegte Paprika und Tomaten, traditioneller Krautsalat, frisch gebackenes Brot wird vom großen Laib abgebrochen.

Der ganze aufgespießte Hammel braucht ca. 4 Stunden. Ein einfacher Motor treibt über einen Kettenantrieb  das Drehgestänge an. Mit eigenem Fettgewebe des Hammels wird das Fett über offenem Feuer erhitzt und dann eingerieben.

Dieses langsame Zelbrieren einer Zubereitung köstlicher Speisen ist typisch für ein armes Land.  Kein Schnickschnack wie  es auf  unseren Speisekarten steht mit:  angerichtet …auf  und …an.. , sondern einfach und  ehrlich gut, ja köstlich, weil du den Eigengeschmack erlebst. Und die Atmosphäre einer weit zurückliegenden Welt,  und  mit 2 Flugstunden doch so nah.

Erntedank 2009

Erntedank 2009

Vergessener Erntedank?

Allerorten lesen wir über einen Jahrhundertjahrgang 2009 beim Wein. Auch ich habe fast vergessen Danke zu sagen für die Einbringung aller Früchte in diesem Jahr. Liegt es daran, heuer nicht in Afrika gewesen zu sein, wo andere klimatische Bedingungen Ernten in dieser Fülle gar nicht zulassen? Wir ernten in Europa im Überfluss und müssen wegen qualitätsfördernder Praxis sogar Trauben abschneiden und wieder der Erde überlassen.  Obst und Gemüse fallen durch den EU-Trichter; zu klein, fleckig und keine auf das Grad gekrümmte Gurken erzählen nur beispielhaft das Ende ihres Nichtverzehrtwerdens.

Die katholische Kirche begeht seit dem 3. Jahrhundert das Entedankfest. Die evangelische Kirche feiert dieses Fest seit 1773. Beide Kirchen beklagen ein nachlassendes Interesse ihrer Kirchgänger.  Auch eine Tatsache von gewissem Wohlstand und Selbstverständlichkeit.

Da lob ich mir das Erntedankfest in Spitz an der Donau. Der Wein bildet bei diesem Brauchtumsfest den Mittelpunkt.

Andere Welt,  noch keine 2 Flugstunden von hier. Bosnien und Herzegowina. 15 Jahren nach Ende des Krieges in Jugoslawien ein immer noch gebeuteltes Land. Abgeschnitten von Europa, mangels Bodenschätzen uninteressant für die G 20 Truppe. Und doch leben dort Menschen wie du und ich.  In der  katholische Kirche in Kiseljak – 20 km von Sarajevo – ist voll, wird 2 oder 3 mal am Sonntag die heilige Messe gelesen.

Die Menschen danken hier für die raren und fleckigen Früchte des Feldes, lesen Obst auf, sterilisieren oder maischen diese ein. Daraus entsteht ein liebevoll gebrannter Schnaps.  Darüber berichte ich in Kürze aus meiner Oktoberreise.

Stellvertretend für alle Ernten und Danke sagen an jemanden der uns das alles schenktDSC00160