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Schlagwort: Anbaustopp

Weinrallye #63 Wenn der Anbaustopp fällt – ein Fiasko oder eine Zukunft für das Markgräflerland ?

Weinrallye #63 Wenn der Anbaustopp fällt – ein Fiasko oder eine Zukunft für das Markgräflerland ?

Chance für ein künftiges „Markgräfler – Rheinland“ ??

Um das Für und Wider zum Anbaustopp ist alles gesagt und geschrieben worden. Ich nehme die Weinrallye 63 zum Anlass, ein Szenario am Beispiel für das Markgräflerland durchzudenken, wie es wäre, wenn der Anbaustopp fällt.

Szenario:

Der Deutsche Weinbauverband und die Mehrheit der Weinbaubetriebe hatten sich immer wieder für den Erhalt des Anbaustopps, der seit 1976 gilt, ausgesprochen. “Die Kommission hat die Entscheidung gegen die Winzer getroffen”, Mit der Reform der EU-Weinmarktordnung könnten Winzer ab  2015 auf neuen Flächen ohne spezielle Genehmigungen Reben anpflanzen. Eine Festlegung, wie viele Hektar ein Winzer bepflanzen darf, fallen ebenfalls weg.

Der Badische Weinbauverband um Peter Wohlfarth befürchtet dann:

  • die Zerstörung einer Kulturlandschaft
  • Verschwinden der  Steillagen
  • Qualitäts- und Preisverlust
  • ausbleibende Touristen
  • Ausländische Investoren
  • Ackerflächen taugen nur für Maisanbau

Aus meiner Denkweise als nur Weinliebhaber :

Jede negative Seite hat ein Pro auf der Gegenseite.

  • Denken wir in unserem Markgräflerland an die verstärkt auftretenden Hitzeperioden. Die klimatische Veränderung hat schon längst begonnen. Es laufen wissenschaftliche Untersuchungen zu der Wasserverfügbarkeit von Wäldern in Baden-Württemberg.
  • es gibt wissenschaftliche Aussagen zu Untersuchungen,  die vorausschauend eine Trockenperiode speziell im Markgräflerland als wahrscheinlich annehmen. So die Vorboten der Jahre 2003, 2009 und 2011 mit der Sondergenehmigung zur Zugabe von Weinsäure.
  • In der Vorbergzone kann man selten bewässern. Also besteht die Notwendigkeit für bestimmte Rebsorten in das neue „Markgräfler – Rheinland ” umzusiedeln”. Menschen aus ausgetrockneten afrikanischen Ländern  migrieren, das heißt sie wandern dorthin wo es Wasser gibt und grün ist.
    • Wir können inzwischen Trocken- und Stressschäden an bestimmten Rebsorten beobachten.  Gerade unsere geliebte Heimatsorte, der Gutedel, braucht einen feuchten Untergrund. Findet sie dort dann ihren neuen Lebensraum, wie der Fendant auf kargen Kiesel – und Sandböden im Rhonetal ?
    • Die besten Weine der Welt wie z.B. Pétrus im Bordeaux Gebiet oder Reben in der Region “entre deux meres“  – an den Flüssen Garonne und Dordogne – gedeihen auf Kies-Sand-Tonböden
    • Nutzen wir Markgräfler schon heute die Chance zur Veränderung. Prüfen wir die Bodenverhältnisse für neue Rebgärten und die Rechtsbedingungen in einem FFH – Fauna-Flora-Habitat – Schutzgebiet.
    • Schaffung eines  Rebgut-Feldversuches auf geeigneten Böden im fruchtbaren Oberrheingraben. Feststellung welche Rebsorten das Markgräfler-Rheinland-Klima vertragen; mit hohen Tages- und tiefen Nachttemperaturen sowie Nebel. Jedoch verfügbarem Wasser ab 6 Metern Tiefe.
    • Im Kristall Weingut in Namibia wachsen unter schwierigen Bedingungen die Rebsorten Colombard und Ruby Cabernet.
    • Überwiegend und aus topographischer Ordnung heraus steht ein Großteil der Markgräfler Reben nicht konform mit der Windrichtung aus Südwest,  sprich der Burgunder – Pforte.
    • Richtet man die neuen Rebanlagen in Windrichtung aus, so werden die Rebzeilen optimal durchlüftet, Unwetter prallen nicht breitseitig auf die Gewächse und Trauben. Folglich fallen einige Spritzdurchgänge weg; ebenso nimmt analog die Bodenverdichtung ab. Die Sonneneinstrahlung ist mit dieser Südwest- Ausrichtung am natürlichsten. Es bietet sich ebenso eine Zeilenbreite von 160 cm für eine optimal ausgerichtete Beschattung an.
    • Modernster Maschineneinsatz ist in langen Rebzeilen möglich und somit im Wettbewerb mit ausländischen Produkten von Vorteil.
    • Nicht überall in der Vorbergzone betreiben wir einen sorgfältigen Qualitätsweinbau. Mit Roundup totgespritzte Rebzeilen, voll entlaubte Traubenzonen animieren keinesfalls den Touristen zu einem Urlaub. Lesende Vollernter frühmorgens um 4 Uhr vermitteln nicht unbedingt ein Herbstgefühl.
    • Um den Qualitätsweinbau zu forcieren, bedarf es einer ergänzenden Weinbergpflege. Beispielhaft ist  die von Hans – Peter Schmidt beschriebene 10 er Charta zur Biodiversität.
    • weininteressierte Touristen sind mit einer lebendigen Artenvielfalt zu begeistern. Wein-Wanderungen und Weinanimationen sind leichter durchzuführen.
    • Diskutieren und nutzen wir Einheimischen die sich bietende Chance zu einem neuen Markgräfler – Rheinland. Dem globalen Wettbewerb kann sich auch das Markgräflerland nicht entziehen.
    • Zudem sollten wir uns auf mehr Gemeinsamkeit in der deutschen Weinwirtschaft konzentrieren. Beginnen wir im Kleinen – im Markgräflerland –  und ohne gegenseitige Neidgefühle. Ein gutes Beispiel geben die von mir im Jahre 2009 gegründete Weinmachergruppe der „Weingräfler“.
    • pbWinzerGruppeNeun
Anbaustopp vor der Entscheidung

Anbaustopp vor der Entscheidung

Anfang Dezember 2012 in der EU – Ministerratssitzung. Es wird derzeit hin und her jongliert.

Ende September: Generaldirektor EU – Landwirtschaft: Silva Rodriguez: „keine Verlängerung Anbaustopp nach 2015. Es wird keine Explosion von Neuanpflanzungen geben“.

Anfang Oktober: EU – Argrarkommissar und Chef von Silva Rodriguez : Dacian Ciolos „Wein, ob mit oder ohne geografische Angabe bedarf der Regulierung“. d.h. Tafelweine in der Rheinebene wären nicht möglich.

Anfang Oktober: Landesargrarminister Alexander Bonde: „Warnung vor einer marktradikalen Lösung. Bei Wegfall des Anbaustopps sei der Weinbau in den Steillagen bedroht, weil eine Bewirtschaftung großflächiger Rebanlagen kostengünstiger sei und der Wein zu einem Spottpreis verkauft werden kann“.

diese Woche: Weinbauverbandsgeschäftführer Peter Wohlfahrt: „Setzt die EU ihren Plan um, dann steht auf den Flaschen „Deutscher Wein“ und der Inhalt dürfte kaum noch nach Wein schmecken“.

Kommentar: Ich denke nicht an eine merkliche Ausdehnung der Rebflächen, wenn Anbaustopp fällt.  Jeder Investor kalkuliert sein Projekt. Ein durchschnittlicher Erlös beim Faßwein von 0,91 € pro Liter ergibt  keine lohnende Rendite.

Was bleibt dem Winzer noch übrig, wenn im Einzelhandel ein Liter Gutedel für € 1.99 verschleudert wird ? Qualität mißt man demnach schon mit unter € 2,– pro Liter Qualitätswein.

Wir bewirtschaften in Deutschland ca. 9 % oder 9.000 ha Steillagen. Die Weine aus diesen Lagen müssen markttechnisch gesondert behandelt werden.

Der Klimawandel, vor allem bei uns im Markgräflerland, darf nicht unterschätzt werden. Schon heute sind vielfach Trockenschäden in Rebanlagen sichtbar. Vielleicht ist man eines Tages froh, dort Reben anpflanzen zu können, wo Wasser ist. Noch ist mir keine Versuchsreihe für Rebensorten bekannt, um die Parameter für einen Qualitätswein in der Rheinebene ermitteln zu können.

DDB
Aufhebung Anbaustopp – High Level Group

Aufhebung Anbaustopp – High Level Group

im Rahmen der Weinmarktreform wird wie beschlossen die Europäische Kommission die Aufhebung des Anbaustopps zum Jahre 2015 umsetzen. Eine Fristverlängerung für die im Jahre 1976 gesetzte Regelung soll es nicht geben. Das Europaparlament sprach sich erst im Juni 2011 gegen die Freigabe der Pflanzrechte aus, nachdem in den weinbauführenden Staaten die Verbände aufgewacht sind und interveniert haben. Finnland kam jetzt als 16. Staat zu den Befürwortern hinzu. Es ist anzunehmen, dass die nördlichen EU-Länder die Zusage haben, im Rahmen der globalen Wärmezunahme ein paar Hektar Reben anpflanzen zu dürfen – eine  Ausnahmegenehmigung zum Anbaustopp -. Andere Befürworter zur Beibehaltung der Pflanzenrechtsregelung, wie die romanischen Länder, scheren sich sowieso nicht um eine Flächenbegrenzung. Sie haben bereits in den letzten Jahren ihre Weinlandschaften um über hunderttausend Hektar erweitert. Außerdem stehen 300.000 ha Reservefläche zur Bepflanzung zur Verfügung.

Lediglich die Vertreter des europäischen Verbandes der Kellereien sind für die Aufhebung. Ihr Interesse liegt an einer gesicherten Menge, deren Charge ab 500.000 Litern beginnt. Diese Menge können wir in Baden kaum aufbringen, es sei denn, man geht den beschwerlichen und kostspieligen Weg wie Fritz Keller mit seinem Projekt für Aldi. Selbst hier sind die Preise mit € 5.99 für die 0,75 ltr. Flasche Weißburgunder und Grauburgunder in der oberen Preisklasse einzustufen, während ausländischer Flachland – Pinot für die Hälfte zu haben ist.

Am 19. April 2012 versammelt sich eine erstrangig besetzte High Level Group um den EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Diese Gruppe soll eine durchführbare Lösung finden.

Insgesamt gesehen, sollte der Weinmarkt sich nicht nur mittels Reglementierungen und Förderprogrammen regeln, sondern  in erster Konsequenz über  Qualität, Menge und Preis.  Wenn die Qualität aus Hang- und Steillagen besser ist als aus Flachlandweinen, dann wird der Verbraucher dies über den Preis honorieren; oder die Masse der Verbaucher schaut nur auf den Preis und sie trinken halt so was wie Wein, Hauptsache schmeckt und billiger Alkohol ist drin.

pb:ld