Reben schneiden im Markgräflerland

Reben schneiden im Markgräflerland

Über das „Rebschneiden“ ist bereits viel geschrieben worden. Der für mich beste Fachbeitrag kommt von Sebastian Holey im Weinblog: „Weinbau & Oenologie“. ( Link anklicken). Ich beschränke mich in diesem Beitrag auf eine kurze Bilddarstellung mittels Abfolge beim Schneiden.

Es ist Samstag der 18. Januar 2014. Trockene Luft bei  8 ° Celsius, die warme Sonne scheint wohltuend ins Gesicht und lässt die Rebenlandschaft in friedlichem Winterschlaf erhellen. Nicht überall herrscht Ruhe im Weinberg. In einer Parzelle brummt ein Schlepper mit einem aufgesetzten „Vorschneider“. Dieser kürzt die Ruten der Rebe, um sie später mit weniger Kraftaufwand aus dem Drahtrahmen rausziehen zu können. In einem benachbartem  Gewann  hört man einen kleinen Kompressor laufen. Er produziert Luft zum Bedienen  pneumatischer Rebschneidegeräte. Schnell und gelenkschonend durchtrennen sie die Ruten am Kopfbereich der Rebe. Die Reihenfolge des Schnittes geschieht  in einer bestimmten Art und Weise.

Ansicht Nordseite kurz vor dem SchnittIMG_4081scal

Südseite kurz vor dem Schnitt IMG_4079scal

Ich treffe bei meinem Weinbergspaziergang auf einen Rebschneidemann. Erstaunlicherweise stammt er nicht aus Polen oder Rumänien. „Ich bin ein
Einheimischer aus HeitersheimIMG_4082scal  erzählt er mir, nachdem er mich gemustert und ich mich vorgestellt habe.IMG_4085scal Ein großer kräftiger Mann mit brauner, gesunder Gesichtsfarbe, natürlichen Falten,  neugierigen und verschmitzten Augen.IMG_4086scal Zugleich spüre ich seinen  gewaltigen Händedruck.  Dieser stammt ganz sicher von seiner hundsgewöhnlichen Rebschere, ohne Pneumatik oder mit Batterie betrieben.

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Von Stock zu Stock dippeln wir zwei durch die Rebgassen. Er schneidet mit Erfahrung und sicherer Hand während ich nur zuschaue. Wir sprechen über praktische Weinbergbestellung, Hand- und Maschinenlese, über Spontanvergärung oder dem Einsatz von Reinzuchthefe, Stahltanks und Holzfässer oder neuen Behältnissen wie dem Betonei. IMG_4090scalVor dem Schnitt hat mir mein Holzfeuchtemessgerät im oberen Teil der Rute 43 % und in der Nähe des Rebholzkopfes 39 % Feuchtigkeit angezeigt. Ein Zeichen dafür, dass die Reben eigentlich Zeit für den Rücklauf des Saftes in den Kopf bräuchten. Wenn dann die Natur den Austrieb einläutet, tut sich die ausgeruhte Rebe leichter, durch den Kapillareffekt den Rebensaft aus den Wurzeln hochzuziehen.

Der sympathische Rebschneidemann heißt übrigens Herbert und ist 75 Jahre jung. Wir genehmigen uns jetzt einen Markgräfler Weinbrand im Eichenfass gereift.IMG_4136scal Im Glas leuchtet der Brand bernsteinfarben. Samtig weich, die weinig-blumige Note hat sich mit der feinwürzigen Holznote vereinigt Geschmeidig und unendlich voluminös  im Ausklang. Ein Meisterbrand von Alfred Feuerstein aus Heitersheim.

pl


Ein Gedanke zu „Reben schneiden im Markgräflerland

  1. Hallo Berthold,

    machst Du das mit allen Rebschneidemännern, die Du im Feld triffst? Erst mal einen Markgräfler Weinbrand genehmigen? 😉
    Wenn Herbert die Hand hebt, dann steht man wohl echt im Schatten – meinen Respekt für jemanden, der ausschließlich mit der normalen Handschere schneidet!

    Danke für die Verlinkung, ich hatte Dich übrigens auch in folgendem Artikel erwähnt: http://www.ueber-land.eu/innovative-landwirtschaft-sebastian-holey-wein/#more-4653.

    Danke für Deine Beiträge!

    Viele Grüße
    Sebastian

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