Anbaustopp aufheben – ein Fiasko oder eine Chance

Anbaustopp aufheben – ein Fiasko oder eine Chance

für den deutschen Weinbau?

Einseitige Informationspolitik der Verantwortlichen an ihre Winzer, wenn es um die Aufhebung des Anbaustopps geht.?

Das  was man überwiegend hört  ist:

  •  die Zerstörung einer Kulturlandschaft
  • Verschwinden der  Steillagen
  • ausbleibende Touristen
  • Qualitäts- und Preisverlust.
Aus meiner Sichtweise als Weinliebhaber und nicht Betroffener : Jede negative Seite hat ein Pro auf der Gegenseite. ( Link anklicken, dann kommt mein erster Bericht vom 1.8.2010 zu diesem Thema.)
 
1. Pragmatisch gesehen will die EU die Zustände legalisieren, an die sich außer (vielleicht ) Deutschland niemand hält.
 
    Beispielhaft:
  •  die italienische Rodungsprämie ist   für 75 000 ha genehmigt,  aber eingereicht wurden tatsächlich vorhandene 180.000 ha außerhalb der genehmigten Zone
  • die italienische Region Langhe, die offiziell verkünden ihre Rebflächen zu erweitern und es auch tun
  • Ausdehnung der Anbaugebiete in Bordeaux um 1 / 5 in den letzten 10 Jahren
  • in Spanien wurden massenhaft neue DOS angelegt
  •  Subventionsbetrug in Italien mit rektifiziertem Traubenmost, weil seit 1976 in Italien schlechtes Wetter ist
  • die Region la Mancha in Spanien lebt fast ausschließlich aus Zuschüssen
2. Keine positiven Auswirkungen des Anbaustopps auf den deutschen Weinbau.
    • Bislang wurde die Überproduktion nicht eingedämmt. Zusätzlich haben wir in Deutschland eine kontrollierte Hektarertragsregulierung.  Bei dieser gibt es nur eine gedeckelte Menge nach oben und nach unten nicht. Um den Markt richtig bedienen zu können fehlt uns doch immer wieder die Menge um ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen.
    • Da muss schon ein Fritz Keller her mit seiner grandiosen Vermarktungsidee den Aldi jährlich mit einer Million Flaschen Spätburgunder und Weißburgunder zu bedienen.
 
3. Gibt es bei uns in der Markgräfler -Rheinebene rebenwürtiges Gelände?
 
  • Die Frage ist sinnvoll, wenn es um Spitzen-Qualitäten geht.
  • Der Ursprung der Rebe kommt aus dem Mittelmeeraum und sie ist sehr genügsam sowie anpassungsfähig was karge, steinige und sandige Böden anbelangt.
  •  In der Rheinebene findet die Rebe als Tiefwurzler überlebenswichtiges Wasser 
  •  kann in Windrichtung der Burgunder-Pforte angepflanzt werden, um für optimale Durchlüftung zu sorgen. Unwetter prallen in der Regel dann nicht breitseitig auf die Rebe mit ihren Trauben.
  • Die Sonneneinstrahlung ist mit dieser Ausrichtung Südwest am natürlichsten.
  • Grundsätzlich sollte der Winzer entscheiden, wo und welche Rebsorte er anbauen will. Bevor er das tut wird er sein wirtschaftliches Ergebnis und Risiko berechnen .
  •  Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Investor aus Neuseeland 600 ha in der Markgräfler Rheinebene sucht, wenn er vorher nicht eine betriebswirtschaftliche Analyse gefertigt hat
 
4.  Erhaltung traditioneller Rebflächen, insbesondere von Steillagen – ein Argument ?
 
  • Der Schutz unserer Reben-Kulturlandschaft ist ein berechtigtes Interesse. Dass es den Steillagen so schlecht geht, liegt in der günstigeren Produktion in den Flachlagen. In Deutschland gibt es nur 9 % Steillagen.
  • Zum Erhalt schützenswerter Weinbaulagen kann man evtl. ein Unterstützungsprogramm auflegen.
 
5. Qualität aus Steil- bzw. Hanglagen eine meß- und wertbare Größe für den Anbaustopp ?
    • Der Vorteil scheint die Qualität des Weines zu sein. Ist Qualität meß- oder wertbar? Wenn ein Liter Gutedel Qualitätswein im Supermarkt für 1.99 € verkauft und das Gutedel – Flagschiff als Cup Sieger 2010 mit € 2.95 angeboten wird , frage ich mich, mit welchem Preis das Weingut in der Rheinebene offerieren wird, um wirtschaftlich bestehen zu können.
    • Die traditionelle Kulturlandschaft unserer Reben müsste qualitativ bessere  Weine entstehen lassen, als die Reblagen in der Rheinebene, und somit einen Wettbewerbsvorteil haben. Ob das den Masseverbraucher interessiert und er bereit ist  dafür mehr zu bezahlen  ?
    • Außerdem gibt es keine Erfahrungen, was der Rebstock herzugeben vermag. 
6. Klimaverschiebung im Markgräflerland ?
  • es gibt wissenschaftliche Aussagen zu Untersuchungen,  die vorausschauend eine Trockenperiode speziell im Markgräflerland als wahrscheinlich annehmen. So die Vorboten der Jahre 2003, 2009 und 2011 mit der Sondergenehmigung zur Zugabe von Weinsäure.
  • Speziell unserere Gutedeltraube muss ihren Wasserhaushalt aufrechterhalten. Notfalls muss sie migrieren, dorthin wo Wasser ist.  Findet sie dort dann ihren neuen Lebensraum wie der Fendant auf kargen Kiesel – und Sandböden im Rhonetal ? Voraussetzung wäre dann die Aufhebung des Anbaustopps.
  7. Zuschussprogramme der EU
 
Einige Weinbau treibende Länder haben die Investitionsprogramme im Rahmen der Stützungsprogramm gestoppt, da nicht sicher ist ob diese 2013 fortgeführt werden. Solange der EU – Finanzplan ab 2014 nicht verabschiedet ist, stehen weitere Mittel nicht zur Verfügung. Zitat: Dr. Robert Kloss.
 
 Fazit: Es lohnt sich Pro und Contra zur Aufhebung der Pflanzrechte zu diskutieren.
Tipp: Steuerlich gesehen lohnt sich für bilanzierende Weinbaubtriebe eine Teilwertabschreibung auf den Verlust von Rebanlagen bei Aufhebung der Pflanzrechte.
 
 
 
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2 Gedanken zu „Anbaustopp aufheben – ein Fiasko oder eine Chance

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