Grape – Scan Verfahren

Grape – Scan Verfahren

oder Öchsle haben ausgedient….zumindestens im Auszahlungssystem der Winzergenossenschaften.

Thema bei der jetzigen Hauptversammlung der 1. Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen war die Sicherung und Steigerung der Traubenqualität. Dazu bedarf es einer neuen Auszahlungsmodalität für die anliefernden Winzer.

Denn nach wie vor ist die Bemessungsgrundlage für das Traubenentgelt der in Öchslegraden gemessene Fruchtzuckeranteil. In optisch wunderbaren Herbsten wie 2003 und 2009 steigen die Öchsle und somit die Entlohnung für die Winzer. Ganz vergessen wird die Tatsache, dass aus diesem geernteten Lesegut alkoholisch und unausgewogene Weine, vor allem bei Weißweinen, entstehen können.  Schlichtweg fehlt diesen Weinen die Leichtigkeit einer spritzigen Frische und Eleganz

Über fehlende physiologische Reife der Trauben oder Maturation habe ich bereits in vorigen Berichten berichtet; ebenso über den Weinjahrgang 2009 und Weinsäuerung erlaubt.

Fritz Keller schreibt in seiner Kolumne in der Badischen Zeitung vom 31.Oktober 2009 von Winzern im Öchslewahn.

Die von Fritz Keller angeregte Festlegung einer Öchsleobergrenze ist eine der guten Möglichkeiten,  die eingefahrene Vergütungsregelung für die Winzer neu und gerecht im Sinne nachhaltiger Qualitätssteigerung und – sicherung zu verändern.

Ich würde zusätzlich einen neuen Weg  beschreiten. Im Zeitalter moderner Mess- und Analysemethoden käme das Grape – Scan Verfahren zu einem ehrlichen Aussage- und Auszahlungswert.

Das Grape – Scan Verfahren ist ein Werkzeug zur Beurteilung des Reife- und Gesundheitsgrades von Trauben und dem Most.

Es gilt die Formel: TQ = R + G     Traubenqualität= Reifegrad + Gesundheitsgrad

R e i f e g r a d wie:  Mostgewicht, Gesamtsäure ,  pH-Wert,  Ammonium,  Kalium,  Weinsäure,  Äpfelsäure und dem NOPA GrapeScan

G e s u n d h e i t s g r a d wie: Flüchtige Säure,  Glycerin und dem Glucose / Fructose Verhältnis

NOPA = hefeverwertbarer Stickstoff. Ist dieser Wert niedrig, so besteht das Risiko von Gärstockungen, Ausbildung von UTA und Böckserbildungen. Vom hefeverwertbaren Stickstoff ist auch die Ausprägung der Aormen abhängig. Frühzeitig können die Nährstoffversorgung und der Hefestamm auf den Most abgestimmt werden.

Erste Aussagen sind schnell zugänglich: Konzentrierung der Aromen in der Traube,  Frucht- und Gerbstoffanreicherung, Säure und pH-Wert im Normbereich.

NOPA Grape – Scan Ergebnisse liegen bei vielen Betrieben noch nicht vor, weil die technische Voraussetzung fehlt. Messungen im Labor kosten bis zu ca. € 30,– pro Trauben / Most. Auf jeden Fall lohnenswert, weil kellertechnisches Eingreifen mit Hilfe der Analysedaten  gezielt eingesetzt werden können.

z.B. Eine Abweichung nach oben beim pH-Wert im Mittel von 3,2  ergibt einen Malus, eine Abweichung nach unten einen Bonus. So werden alle Parameter entsprechend gewichtet.

Erfahrungsanpassungen sind sicherlich notwendig auf dem neuen Weg.

Bereits am 16.1.2007 hat Dipl. Oen. Jürgen Sturm und der Forschungsanstalt eine super Ausarbeitung zur Beurteilung der Traubenqualität im Weinbau veröffentlicht.

Die am Anfang erwähnte 1. Markgräfler Winzergenossenschaft hat mit dem jungen und talentierten  Philip Dahm ein Weinmacher besonderer Güte und Zukunft. Bei einer Durchfahrt oder einem erholsamen Urlaub im Markgräflerland gehört der Besuch dieser seit 1908 bestehenden Genossenschaft zur Kür.

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