Biokohle – Bodenverbesserung im Weinberg

Biokohle – Bodenverbesserung im Weinberg

Fortsetzung aus 1. Bericht über Biokohle – Terra Preta – Schwarze Erde

Unter der Erdobefläche besteht ein filigranes Netzwerk des Lebens. Unsichtbar, unhörbar und erst am Anfang des von uns Menschen zu begreifenden Vorgängen.

An der Bodenverbesserung im Weinberg arbeitet das Versuchsgut Mythopia seit 3 Jahren. Der Leiter des Versuchsgutes, Hans-Peter Schmidt,  in Araz bei Sion im Schweizer Rhonetal, ist einer der weltweiten Vorreiter in Sachen Biokohle und Bodendiversifikation.d

Aus der Domaine Mythopia habe ich zur Degustation einen Fendant, Pinot Noir und Schiller erhalten. In etwa zwei Wochen werden die Verkostungsnotizen hier veröffentlicht. Gegengeprüft werden die gleichen Rebsorten von Daniel Feuerstein aus Heitersheim mit seinem ECOVIN Anbau.

Biokohle oder früher Holzkohle genannt, war nicht nur  im Amazonasgebiet am Zusammenfluss von Rio Negro und Madeira bekannt, sondern auch den Farmern in Afrika.  Dort wusste man, dass  Kohle mit lebendiger Biomasse vermischt, bessere Erträge erwirtschaften.

Mangels Sauerstoff innerhalb eines Kompostgebildes entstehen große Mengen Methan und Lachgas. Kompost reichert den Boden mit Nährstoffen an. Aktiviert wird die Masse durch Bakterien, Nematoden und Pilze. Dadurch entsteht immer wieder neues Leben in dem Boden. In der Natur gibt es jedoch nicht den typischen Komposthaufen. Es erfolgt die natürliche Verrottung organischer Rückstände.

Über die Begrünungsmischungen – auch M e l i o r a t i o n oder Bodenverbesserung genannt – werden aktiv und tief wurzelnde Pflanzen verwendet. Im Spätjahr eingesät,  mit stillem Wachstum im Winter,  entsteht somit keine Konkurrenz zur Rebe. Im Frühjahr bis in den Sommer hinein, bildet sich ein lockerer, krümeliger Boden. Die untergemulchte oberirdische Grünmasse wandelt sich in organischen Dünger um.  Alle Kleearten, Erbsen, Wicken, Ackerbohnen sind Leguminosen oder Hülsenfrüchtler. Sie sind eine kleine Stickstoff-Fabrik unter den Reben. In ihren Wurzeln bilden sich Knöllchenbakterien an.IMG_3584WurzelStickstoff Bild aus den Rebanlagen vom Weingut Rieger in Betberg

und überführen diese in pflanzenverfügbaren Ammoniumstickstoff um.

Biokohle gibt der Erde  eine vielfältigere Struktur und bildet so zusätzlichen Lebensraum für unzählige Mikroben. In Kombination mit den Begrünungsstrategien z.B. nach ECOVIN, funktioniert eine dauerhafte Bodenaktivierung.

Die Zugabe von Biokohle im Weinberg beträgt zwischen 10 und 20 Tonnen pro Hektar.

Die Versuche einer richtig dosierten Beimischung von Biokohle sind noch im laufendem Prozess. Durch den Eintrag von Biokohle entsteht so was wie

Terra Preta oder Schwarze Erde

IMG_3715NeuanlageResistenzEine Musteranlage von dem ECOVIN Spezialisten Daniel Feuerstein aus Heitersheim. 7. August 2009

IMG_3719schwarzeErdenahIn dieser vorbildlich und liebevoll angelegten Rebanlage von Daniel Feuerstein wurde über Jahre kompostierter Stallmist eingebracht.

Hier hätte sich die Chance aufgetan, zusätzlich Biokohle unterzumischen. Doch der Entwicklungs- und Verstehensprozess, nicht nur im Markgräflerland, dauert noch an.

Die Struktur der Oberfläche von Kompost beträgt ca. 1 m² pro Gramm, die von Biokohle jedoch 300 m² pro Gramm. Nach der Zumischung von 0,1 % Biokohle verändert sich die Flächenstruktur des Komposten + der Biokohle auf das zehnfache der ursprünglichen Fläche.

Herr Hans-Peter Schmidt erklärt die Flächenordnung am einleuchtenden Beispiel:

„falten Sie ein 300 m² großes Blatt aus dünstem Papier ungefähr tausend- oder zehntausendmal, bis Sie die Größe von 1 Gramm Biokohle. Wieder ausgefaltet ergibt es eine unglaubliche Fläche von 300 m².  „

Dieser Flächenraum kann für mikrobielle  Aktivität genutzt werden. Wasserspeicherung bindet Mineralien und auch Schadstoffrückstände. Bakterien und Pilze bilden Nahrung für Nematoden und Protozen. Diese haben zusätzlichen Lebensraum und werden dadurch auf allen Stufen angeheitzt.

Die Vermehrung von Bodenbakterien bedeutet mehr Stickstoffspeicher. Mehr Nematoden bilden nutzbaren Dünger für die Pflanzen, indem sie sich von kohlehydratreichen Bakterien ernähren. Ein Großteil des Stickstoffes wird in einer einzigartigen chemischen Form ausgeschieden, die Pflanzenwurzeln aufnehmen können. Greift jetzt der Mensch in diesen sensiblen Kreislauf zwischen Boden und Pflanzen mit Kunstdünger oder anderen chemischen Stoffen ein, so wird das lautlose und nicht hörbare Netzwerk der Natur gestört oder sogar zerstört.

IMG_3587 Weingut Rieger – Betberg

Die Wurzeln des Weinstockes benötigen eine Symbiose mit Mykorrhizen. Sie tauschen Nährstoffe aus. Über ihre Blätter produziert der Weinstock Zucker, transportiert kapillarisch diesen zu den Wurzeln und ernährt im Gegenzug die Mykorrhizen. Diese wiederum liefern Phospate, Mineralien und Spurenelemente, welche die Wurzeln nicht alleine aufnehmen könnten. Zudem werden feindliche Nematoden-Würmer fern gehalten.

Dieses wunderbare Zusammenspiel ist notwendig, wenn der Weinstock die Inhaltsstoffe des Terroirs in seinen Trauben einlagern soll.

IMG_3703Vorbildliches Traubengut am 10. August 2009  –   G u t e d e l  – aus dem Heitersheimer Maltesergarten

In diesen Prozess spielen auch die Wurzeln der Rebstöcke eine Rolle. Je tiefer das Wurzelwerk in die Tiefe dringt, desto mehr bekommen die Trauben  Mineralien. Die Assimilierung der Mineralien übernehmen die Mykorrhizen. Im oberen Bereich des Bodens bis zu einem Meter finden die Oberflächenwurzeln genügend Stickstoff, Phospat und Kalium. Auch der meiste Kohlenstoff ist hier angesiedelt.

Und man braucht eine gute Durchlüftung für eine wiederum optimale Wasserverteilung. Unerläßlicher Helfer ist der R e g e n w u r m. Seine enorme Bodenaktivität bildet ein organisch-mineralisches Gemisch. Viele Pestizide stören jedoch diese Nahrungskette. In einem intakten Boden findet man bis zu 1000 Regenwürmer pro m³. In gestörtem Boden keine 50.

Nicht zu unterschätzen ist der Einsatz von schweren Traktoren, Vollerntern und Gerätschaften. Die Verdichtung im Bereich der Fahrspuren ist inzwischen so stark, dass dort wesentlich weniger Regenwürmer und wahrscheinlich auch Mikroorganismen zu finden sind. Der gedrückte Boden ist unzulänglich belüftet.

Gelangt kein Sauerstoff in den Boden, so kann es auch kein Leben geben. Die Folge sind anaerobe Bakterien. Diese produzieren toxische Gase wie Methan

Deshalb ist es ratsam im Anfang Sommer eine maschinelle Auflockerung zum Stock hin vorzunehmen. Gegensteuern kann man gleichzeitzig mit der Pflanzung von tiefwurzligen Pflanzen wie Luzerne und Rotklee.

Danke für die Benutzung der Quelle: Hans-Peter Schmidt im Interview mit Ken Payton.


2 Gedanken zu „Biokohle – Bodenverbesserung im Weinberg

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